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Wie das Beck-C-Flügelhorn Melisma für die Berliner Philharmoniker entstand

Freitag, 15. Januar 2010 von Matthias Beck

 Melisma CKurze Geschichte über die Entstehung des  Flügelhorn „Beck Melisma in C“, für die Berliner Philharmoniker

Auf dem Programm des Berliner Ausnahmeorchesters standen 12 Konzerte mit Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 3, die mit dem berühmt-berüchtigten aber ebenso wunderschönen Posthornsolo (Hörprobe). Tamás Velenczei, der Solotrompeter suchte ein geeignetes Instrument. Viele Flügelhörner wurden getestet und verglichen. Das bereits gefertigte „Beck-Melisma“ in B-Stimmung gefiel so gut, dass es in der Endauswahl den Zuschlag erhielt. Kurze Zeit nach dem Test fragte mich Tamás Velenczei, ob es möglich wäre, ein ähnliches Modell in C-Stimmung zu bauen.
Diese Anfrage war Herausforderung und Ansporn zugleich. Ist es doch schwierig genug, ein gut intonierendes B-Modell zu fertigen, um wie viel mehr nimmt einen dann die Entwicklung eines C-Instruments in Anspruch?
Wir stellten uns dieser Aufgabe und sagten zu.

Wir, das ist die Meisterwerkstatt des Musikhaus Beck. Matthias Beck, der Inhaber, studierte mit 16 Jahren Trompete und Blockflöte an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart. Nach erfolgreichem Aufbaustudium mit Konzertreife schloss sich nahtlos der Militärdienst an. Diesen absolvierte er als Solotrompeter des Heeresmusikkorps in Hannover.
Begeistert vom Instrumentenbau erlernte er diesen Beruf in Rüsselsheim bei der Fa. Glassl. Der Aufbau einer eigenen Werkstatt im väterlichen Musikhaus, begleitet von vielen Orchestereinsätzen in der Württembergischen Philharmonie, folgte. Nach drei Gesellenjahren absolvierte Matthias Beck die Meisterprüfung im Beruf des Metallblasinstrumentenbauers. Damals begann der Becksche Instrumentenbau. Musiker und Handwerker, beide Herzenswünsche waren verwirklicht.
Beck hat alle seine Mitarbeiter selbst ausgebildet. Instrumente von der Piccolotrompete über Doppelhörner bis hin zum Bariton und Euphonium werden in der Dettinger Blechschmiede gefertigt.
Von Null auf Hundert, so war unsere Aufgabenstellung. Es gibt keine C-Flügelhörner, von denen man wenigstens einige Dinge ableiten kann, die man vermessen, oder ausstimmen könnte, die wenigstens einige Erfahrungswerte mitbringen. Nein, wir beginnen hier bei Null.
Die Maschine ist vorgegeben. Es sollte eine Bohrung wie beim getesteten B-Instrument sein, eine Meinlschmidt-Drehzylinder Maschine mit Bohrung 11,0 mm.
Alle unsere Schallstücke, deren Mensur (Mensur = Verhältnis von Durchmesser und Länge) ungefähr passen könnte, wurden mit unterschiedlichen Mundrohren an die Maschine angelötet. Als Anstoß, das ist das gebogene Teil zwischen Maschine und Schallstück, fertigten wir für die ersten Tests ein konisch zulaufendes Zwischenstück, das den Unterschied von Maschinenausgang 11,0 mm auf den Eingangsdurchmesser der unterschiedlichen Schallstücke überbrückt.
Dies geschieht natürlich im geraden, ungebogenen Zustand. Das Ziel hierbei ist herauszufinden, mit welcher Schallstückmensur in Verbindung mit dem ungefähr passenden Mundrohr das neue Instrument gut klingt und in der Höhe ebenso anspricht. Zu große Schallstücke klangen in der Höhe sehr muffig, zu kleine waren im Klang dann wiederum zu trompetenhaft. Immer das Posthornsolo im Hinterkopf, einigten wir uns auf eine neue C-Mensur, die etwa unserem eng mensurierten B-Flügelhorn entspricht.

Der Prototyp klingt jetzt sehr ansprechend, aber stimmt miserabel. Hiermit beginnt die Ausstimmungsarbeit. Langjährige Erfahrung, unterstützt durch erstklassige Computer Hard- und Software sind Voraussetzung für diese Arbeit. Stimmt man einzelne Töne aus, werden einige andere wiederum schlechter intonieren. Hierbei hilft das PC-Intonationsprogramm enorm. Die geplanten Änderungen zeigen sofort die Auswirkung auch auf die anderen Töne der Naturtonreihe. Die wenigsten Änderungen, die der PC vorschlägt, sind auch sinnvoll. Hierbei ist die Erfahrung als Trompeter und Instrumentenbauer gefragt. Man sucht sich den bestmöglichen Kompromiss, lässt sich die Änderung ausdrucken und begibt sich in die Werkstatt.

Anhand der folgenden Bildschirmausdrucke erläutere ich die Ausführung der ersten Stimmungskorrektur.

Das Instrument wird nicht angeblasen, sondern am Mundstück an einen Messkopf mit Gummikappe als Dichtung, angeschlossen. Der ständige Impuls, ein Sinusglissando, erzeugt eine stehende Welle im Instrument. Somit kann jeder Ton sehr exakt und vor allem objektiv gemessen werden.

PC-Vermessung einer Piccolotrompete

PC-Vermessung einer Piccolotrompete

Auf dem Fotosehen wir eine Piccolotrompete mit geradem, noch ungebogenem Schallstück, verbunden mit dem Messkopf des speziellen Computersystems.

Grafik 1
Nach der akustischen Messung erhalten wir im Korrekturprogramm dieses Bild.
Computermessung 1Die grüne Kurve ist die Ausgangsintonation. Die Zahlen (1-12) unter den oberen Tabellen zeigen die Naturtöne des Griffes 0.
1=C (Pedalton); 2= c´; 3=g´, 4=c´´; 5=e´´; 6=g´´, nun der immer zu tiefe 7. Naturton b´´ wird beim C-Instrument mit  Griff 1 gespielt, 8=c´´´.
Bis hierher ist es für ein Flügelhorn wirklich interessant. (weiterlesen…)

Ein handgefertigtes Flügelhorn entsteht

Montag, 12. Oktober 2009 von Matthias Beck
Die Schallstücke sind ausgestimmt

Die Schallstücke sind ausgestimmt

Die Schallstücke sind ausgestimmt.
Das heißt, der exakte Verlauf von Durchmesser und Länge stimmt. Bei jedem Instrumententyp gibt es viele verschiedene Mensuren. Ist das Schallstück an einer Stelle 1mm zu weit oder zu eng, wird der betroffene Ton entweder zu tief oder zu hoch sein.
Deshalb pressen wir in unserer Meisterwerkstatt die Schallstücke nach der Fertigung zusätzlich auf einen Dorn.
Danach werden die Schallstücke in geradem Zustand an einem bereits fertigen Instrument akustisch am PC vermessen.
Siehe auch auf folgender Seite unter: Vermessung der Instrumente am PC.
Foto links:
Ausgestimmte Schallstücke in unterschiedlichen Materialien und Ausführungen.
Das Schallstück wird eingegossen

Das Schallstück wird eingegossen

Nun werden nach alter Handwerkstradition die Schallstück mit Blei eingegossen.
Dies gewährt ein sehr gutes Biegeverhalten.
Und zudem für die Handfertigung die Möglichkeit, das Schallstück nach dem Biegen sehr glatt  zu pochen (siehe nächster Schritt).
Dadurch entsteht eine sehr glatte Außen- und Innenoberfläche im Gegensatz zu den industriell gefertigeten Instrumenten.
Nach dem Glattpochen und dem Feilen, kann das Blei durch erhitzen mühelos aus dem Instrument gegossen werden.
Die Schallstücke kühlen nach dem Eingießen langsam ab

Die Schallstücke kühlen nach dem Eingießen langsam ab

Links sehen wir 3 unterschiedliche Beck Melisma Flügelhornschallstücke nach dem Eingießen.
Messing für B-Stimmung
Goldmessing (oder Tombak)  für C-Stimmung
Goldmessing mit Kranz in B-Stimmung
Bis hierher sind die Arbeitsschritte gleich.
Doch Vorsicht beim Biegen. Biegt man ein C-Schallstück nach der B-Biegeform ist alles zu spät.
Das Schallstück passt nicht zum Instrument und kann nicht zurückgebogen werden.
Es will gelernt sein, Schallstücke in Milimetergenauer Handarbeit zu biegen, verpochen und fertigzustellen.

Das Schallstück wird glattgepocht

Das Schallstück wird glattgepocht

Ist das Melisma Flügelhornschallstück fertig gebogen, geht es an die Feinarbeit. (weiterlesen…)